Westfalia Big Band

Presse

Neustart nach verpasstem Geburtstag

Neue Westfälische, 30. Juni 2021 (von Marcus Tschackert)

Die Westfalia Bigband wollte 2020 ihr 40-jähriges Bestehen feiern – dann kam die Pandemie. Nach der Zwangspause kamen die Orchester-Mitglieder aus ganz Deutschland zu einer ersten Probe in Verl zusammen.

Verl. Neustart nach mehr als einem Jahr Zwangspause: Erstmals seit Februar 2020 konnte Verls musikalisches Aushängeschild, die Westfalia Bigband, wieder proben. Dabei stand unter freiem Himmel im Garten des Droste-Hauses weniger musikalische Feinarbeit als das Gemeinschaftserlebnis im Vordergrund.

Das Blau in Hans-Josef Piepenbrocks Augen leuchtete noch intensiver als sonst, als er seine Musiker im Halbkreis um sich versammelt sah und die ersten Klänge ertönten. Endlich! Nach 17 Monaten durfte und konnte sein Orchester wieder gemeinsam Musik machen. Die Zeit kam für die Instrumentalisten wie Bandleader Piepenbrock mehr einer Durststrecke als einer Zwangspause gleich. Immerhin gehören Profis genauso zum Ensemble wie semiprofessionelle Musiker. Die zusammen zu halten, ist auch ohne Corona-Virus schon viel Arbeit.

Hans-Josef Piepenbrocks Augen leuchteten, als er seine Westfalia Bigband endlich wieder um sich scharen konnte. Nicht musikalische Feinarbeit, sondern das Gemeinschaftserlebnis stand für Piepenbrock im Mittelpunkt.
Hans-Josef Piepenbrocks Augen leuchteten, als er seine Westfalia Bigband endlich wieder um sich scharen konnte. Nicht musikalische Feinarbeit, sondern das Gemeinschaftserlebnis stand für Piepenbrock im Mittelpunkt.

„Deswegen ist die heutige Probe auch mehr ein ,ComeTogether’ als eine Arbeitsprobe. Die werden wir im Spätsommer oder frühen Herbst hoffentlich nachholen können“, erzählte ein gelöster Hans-Josef Piepenbrock. Seit mehr als 40 Jahren ist die Westfalia Bigband sein „Baby“, in das er nicht nur viel Arbeit, sondern auch Herzblut hineingesteckt hat. Die Pandemie drohte ein Lebenswerk zu zerstören; und das ausgerechnet im Jubiläumsjahr, als die Bigband ihr 40-jähriges Bestehen feiern wollte. Im Februar 2020 hatte das Orchester seinen letzten Auftritt. Danach war Feierabend.

Ein Fan spendet ein Eis für jeden

Dabei hatte die Westfalia Bigband doch so viel vor. Höhepunkt sollte der Auftritt beim Stadtjubiläum in Verl auf einer der größten mobilen Bühnen werden. Jetzt, wo die gesunkenen Ansteckungsraten es zulassen, trommelten Piepenbrock und Sebastian Stuckmann die Band wieder zusammen. Im Gegensatz zu den Blues Brothers aus dem gleichnamigen Kino-Klassiker mussten Bandleader und Management keine großen Überredungskünste anwenden. 45 Musiker des rund 50 Köpfe umfassenden Ensembles reisten aus allen Richtungen und Ecken Deutschlands für den Probennachmittag an. „So viele hatten wir noch nie. Das zeigt einfach, dass die Lust und dieser unbändige Spaß, Musik zu machen, nach wie vor in allen steckt“, war Piepenbrock von der Probenbeteiligung schlicht begeistert. Natürlich stand die Arbeit für den bevorstehenden Auftritt am 11. Juli in der Konzertkirche Neubrandenburg im Mittelpunkt, aber nicht im Vordergrund. Der direkte Austausch, das Gespräch, das Wiedersehen waren der eigentliche Zweck der Übung.

Auch wenn mal ein 5/4-Takt vergeigt und ein Einsatz verschlafen wurde: Dem Soundgerüst der Westfalia Bigband konnte auch eine Pandemie nur wenig anhaben, so viel war unter freiem Himmel zu hören. „Von den Berufsmusikern vielleicht abgesehen, haben viele ihre Instrumente nicht so oft wie sonst in die Hand genommen. Es fehlte ja die Motivation, das Ziel.“ Beides ist zumindest mit dem ersten Auftritt in Brandenburg wieder vorhanden. Dass so viele Musiker dem Probenaufruf folgten, kann man zugleich als Kompliment an den Verler Bandleader verstehen. „Es war nicht immer einfach, aber ich habe versucht, den Kontakt zu den Musikern zu halten“, erzählte Piepenbrock in einer Probenpause. Per E-Mail, Videochat oder persönlich, soweit es die Beschränkungen zuließen, tauschte er sich mit seinen Kollegen aus, hielt er Kontakt.

Nicht nur die Musiker vermissten Auftritte. Auch Fans fehlte die Westfalia Bigband. „Ich habe zahlreiche Aufmunterungsbriefe bekommen, die uns geholfen haben, durchzuhalten und weiterzumachen“, war Piepenbrock über so viel Zuwendung gerührt. „Das tat gut.“ Die eine oder andere anonyme Spende war auch dabei. Unter anderem 100 Euro für ein Eis für alle – eine willkommene Abkühlung während der insgesamt fünfstündigen Probe. Aber nicht nur die: Weitere Auftritte sind in Planung und es gibt wieder Konzert-Anfragen statt Absagen.

Ein Restart nach Maß war der Probentag der Westfalia Bigband. Nach 17 Monaten konnte Bandleader Hans-Josef Piepenbrock erstmals seine Musiker wieder um sich versammeln. Die Probe fand im Garten des Droste-Hauses am Schillingsweg statt. (Foto: Marcus Tschackert)
Ein Restart nach Maß war der Probentag der Westfalia Bigband. Nach 17 Monaten konnte Bandleader Hans-Josef Piepenbrock erstmals seine Musiker wieder um sich versammeln. Die Probe fand im Garten des Droste-Hauses am Schillingsweg statt. (Foto: Marcus Tschackert)